Die offiziellen Versionshinweise kennzeichnen 4.8.3 als Sicherheitsupdate. Eine veröffentlichte Sicherheitsmeldung beschreibt inzwischen den offengelegten Angriff und bestätigt Berichte über seine Ausnutzung. Die Meldung stuft diese konkrete Schwachstelle als hoch ein.
Wer mit Electrum Bitcoin für einen Tausch sendet, sollte vor allem die freizugebende Transaktion prüfen. Die Kontrolle über private Schlüssel ersetzt nicht die Kontrolle darüber, was die Wallet-Software mit diesen Schlüsseln signieren lassen will.
Wie eine höhere Gebühr die Zahlung umleiten konnte
Laut Electrums Sicherheitsmeldung konnte ein bösartiger Server eine gerade übermittelte Transaktion zurückhalten und stattdessen eine widersprüchliche Transaktion in der Wallet anzeigen lassen. Deren Empfängeradresse gehörte dem Angreifer. Die Signaturen waren ungültig, doch der ältere Client konnte sie trotzdem als unbestätigte Zahlung darstellen.
Entscheidend wurde es, wenn der Nutzer die Gebühr dieser Zahlung über Replace-by-Fee, kurz RBF, erhöhte. Durch das Signieren der Ersatztransaktion konnte aus der zuvor ungültigen Transaktion eine gültige Zahlung an den Angreifer werden. Der Angriff verband also einen manipulierten Verlauf mit einer Nutzersignatur. Der Server erhielt dabei nicht einfach die privaten Schlüssel der Wallet.
Wer aktualisieren sollte
Die Sicherheitsmeldung nennt Versionen vor 4.8.3 als betroffen und 4.8.3 als korrigierte Version. Clients, die mit vertrauenswürdigen Servern verbunden sind, etwa einem selbst betriebenen Server, sind demnach von diesem konkreten Angriff nicht betroffen. Diese Ausnahme ist kein Grund, auf weitere Sicherheitsupdates zu verzichten.
Der beschriebene Angriff setzt Transaktionsaktivität und eine Signatur voraus. Er belegt nicht, dass eine unbenutzte Offline-Wallet allein deshalb geleert werden kann, weil eine alte Electrum-Version auf einem Rechner liegt. Umgekehrt schützt die eigene Schlüsselkontrolle nicht davor, eine manipulierte Zahlung freizugeben. Unser Leitfaden zu Krypto-Wallets erklärt die Verantwortung bei der Selbstverwahrung.
Aktualisieren, ohne die Wiederherstellungsphrase preiszugeben
Electrums offizielle Downloadseite führt die Version und ihre Signaturen auf. Laut Dokumentation werden Wallet-Dateien getrennt von der Anwendung gespeichert. Ein reguläres Update ist eine Softwareinstallation, keine Aufforderung, Guthaben an eine neue Adresse zu übertragen.
- Prüfen Sie vor der Änderung, ob Ihre Wiederherstellungssicherung vorhanden und offline verwahrt ist. Fotografieren Sie die Phrase nicht und laden Sie sie nicht für das Update hoch.
- Beziehen Sie die Installationsdatei ausschließlich über Electrums offizielle Downloadseite. Meiden Sie Anzeigen, Direktnachrichten und Downloadschaltflächen in unerwarteten Warnmeldungen.
- Prüfen Sie die passende GPG-Signatur nach der Projektanleitung. Gleichen Sie den Fingerabdruck des Signaturschlüssels mit einer unabhängigen vertrauenswürdigen Quelle ab. Ein heruntergeladener Schlüssel allein belegt seine Echtheit nicht.
- Installieren Sie die geprüfte Version, öffnen Sie die Wallet erneut und kontrollieren Sie die Versionsnummer. Geben Sie eine Seed-Phrase niemals auf einer Website oder in einem Pop-up ein, das sie für ein Update oder eine Sicherheitsprüfung verlangt.
Die Signaturprüfung kontrolliert, wer die heruntergeladene Datei signiert hat und ob sie verändert wurde. Sie macht nicht jede spätere Zahlung sicher. Schlägt die Prüfung fehl oder lässt sich der richtige Schlüssel nicht bestimmen, unterbrechen Sie die Installation und klären Sie die Abweichung anhand der offiziellen Dokumentation.
Prüfen Sie die Zahlung, nicht nur ihren Status
Vergleichen Sie vor dem Signieren die vollständige Empfängeradresse, den Betrag und die Gebühr mit Ihrer beabsichtigten Zahlung. Laut Sicherheitsmeldung stimmten die Angreiferadressen in den zwei gemeldeten Fällen bei den letzten vier Zeichen mit den ursprünglichen Adressen überein. Eine Prüfung nur des Adressendes hätte den Austausch daher nicht erkannt.
Eine unerwartete ausstehende Transaktion sollte untersucht werden, bevor Sie ihre Gebühr erhöhen. Unser Leitfaden zu Kryptobetrug beschreibt Warnzeichen; der Leitfaden zum Senden und Empfangen erläutert Transferprüfungen. Ein Eintrag im Wallet-Verlauf beweist für sich genommen weder, dass es Ihre erstellte Zahlung ist, noch dass das Netzwerk sie angenommen hat.
Was aus der Offenlegung nicht hervorgeht
Electrum berichtet von zwei Nutzermeldungen zu dem Angriff. Ein Nutzer verlor demnach nach einer Gebührenerhöhung Guthaben. Zudem erklärt das Projekt, dass bösartige Server den Angriff ausführen. Eine verifizierte Gesamtzahl der Betroffenen oder Schadenssumme nennt die Meldung nicht. Die beiden Berichte beschreiben daher nicht zwingend das vollständige Ausmaß.
Die Korrektur ergänzt Signaturprüfungen für Wallet-eigene Eingänge unbestätigter Transaktionen. Electrum weist zugleich darauf hin, dass es ein schlanker Client mit begrenztem Prüfungsumfang bleibt. Das Update behebt die offengelegte Schwachstelle; jede Zahlung zu kontrollieren bleibt beim Senden oder Tauschen von Bitcoin notwendig.